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Inkassobriefe in Österreich: Was ein Inkassobüro verlangen darf (2026)

Jules de Bruin
Jules de BruinEinwohner in Wien

Aktualisiert: | 5 weitere Personen fanden das hilfreich

Inkassobrief erhalten

Zahlen Sie das Kapital und die 4 % Zinsen, die Sie tatsächlich schulden, und prüfen Sie dann die Gebühren. Ein Inkassobüro darf nur Kosten verlangen, die notwendig und angemessen sind (§ 1333 Abs. 2 ABGB), gedeckelt durch eine Verordnung von 1996: €20,35 Bearbeitung bei einer Forderung unter €73, 22 % bei €73 bis €364. Die meisten Verbraucherrechnungen verjähren nach 3 Jahren (§ 1486 ABGB), aber nur, wenn Sie das einwenden.

Wie viel darf ein Inkassobüro in Österreich verlangen?

Tabelle der Höchstsätze, die ein österreichisches Inkassobüro einem Schuldner nach § 3 der Inkasso-Höchstsätze-Verordnung BGBl. Nr. 141/1996 idgF verrechnen darf: einmalige Bearbeitungsgebühr, erste Mahnung und jede weitere Mahnung, nach Höhe der Forderung
Höhe der ForderungBearbeitung, einmaligErste MahnungJede weitere Mahnung oder Ratenvereinbarung
Bis €19€20,35€4,36€5,09
€19 bis €73€20,35€7,27€9,45
€73 bis €36422 % der Forderung€14,53€17,44
€364 bis €72717 % der Forderung€24,71€27,62
Über €7278 % der Forderung€50,87€58,14

Quelle: § 3 der Verordnung über Höchstsätze der Inkassoinstituten gebührenden Vergütungen, BGBl. Nr. 141/1996 zuletzt geändert durch BGBl. II Nr. 103/2005, konsolidierte Fassung im RIS, gelesen am 12. Oktober 2026. Die Beträge verstehen sich ohne USt. (§ 4 Abs. 1) und sind an den Verbraucherpreisindex gebunden (§ 4 Abs. 2). Es sind Obergrenzen, keine Preise.

Ein österreichisches Inkassobüro darf nur verlangen, was zur Einbringung notwendig und angemessen war, und nie mehr als die Höchstsätze der Verordnung. Der Anspruch stammt aus § 1333 Abs. 2 ABGB: Der Gläubiger kann die notwendigen Kosten der außergerichtlichen Betreibung ersetzt verlangen, soweit sie in einem angemessenen Verhältnis zur Forderung stehen. Bei einer Forderung unter €73 ist die einmalige Bearbeitungsgebühr mit €20,35 gedeckelt, bei €73 bis €364 mit 22 %.

Die Höchstsätze sind keine Preisliste, und genau dort versteckt sich die meiste Überverrechnung. Die Verordnung stammt aus 1996 und steht weiter im RIS; ihre Euro-Beträge wurden 2002 festgelegt. Die Vollversammlung der Arbeiterkammer Wien formulierte es in einem Antrag vom 28. Mai 2026 deutlich: Inkassobüros verrechnen routinemäßig den vollen Höchstsatz, obwohl das Gesetz die Gebühr an den Einzelfall bindet, und eine Aufschlüsselung fehlt oft. Die AK forderte eine Verschärfung der Verordnung. Bis dahin ist der Höchstsatz Ihre Obergrenze und § 1333 Ihr Argument darunter.

Die Verordnung deckelt auch die Nebenleistungen. Eine Adressermittlung darf bis zu €17,44 in der Gemeinde des Inkassobüros kosten und €30,52 anderswo in Österreich; ein Hausbesuch €12,35 bis €38,52 je nach Entfernung; die Evidenzhaltung bis zu €20,35 je begonnenem Quartal bei höheren Forderungen. Auch diese Posten müssen notwendig sein. Ein Besuch, der nie stattfand, oder eine Adressermittlung, obwohl schon der erste Brief an Ihre richtige Adresse ging, besteht diesen Test nicht.

Wie stark wächst eine offene Rechnung durch Inkasso?

Tabelle mit den maximalen Inkassogebühren auf österreichische Forderungen von €50, €120, €500 und €2.000: Bearbeitungsgebühr plus erste und zweite Mahnung nach den veröffentlichten Höchstsätzen 2026, und die Gebühren als Anteil an der ursprünglichen Forderung
Ursprüngliche ForderungBearbeitungZwei MahnungenMaximale GebührenGebühren als Anteil der Forderung
€50€20,35€7,27 + €9,45€37,0774 %
€120€26,40 (22 %)€14,53 + €17,44€58,3749 %
€500€85,00 (17 %)€24,71 + €27,62€137,3327 %
€2.000€160,00 (8 %)€50,87 + €58,14€269,0113 %

Unsere Berechnung, 12. Oktober 2026. Methode: der Bearbeitungs-Höchstsatz nach § 3 für die Stufe der Forderung, plus der Höchstsatz für die erste Mahnung, plus eine weitere Mahnung, jeweils mit den veröffentlichten Beträgen ohne USt. Zinsen von 4 % pro Jahr (§ 1000 Abs. 1 ABGB), Adressermittlungen, Besuche und Evidenzhaltung sind nicht enthalten. Ein echter Brief kann also höher liegen und sollte meist niedriger liegen.

Inkassogebühren treffen kleine Schulden am härtesten. Bei einer Rechnung über €50 ergeben Bearbeitungs-Höchstsatz und zwei Mahnungen €37,07, also 74 % der ursprünglichen Forderung. Bei €2.000 kommen mit denselben Schritten €269,01 dazu, nur 13 %. Der Grund ist der fixe Sockel von €20,35 für jede Forderung bis €73. Bei einer vergessenen Onlinebestellung oder einer versäumten Klarna-Rate können die Einbringungskosten fast den Warenpreis erreichen.

Aus der Rechnung folgt eine Regel, wann Sie schnell zahlen sollten. Jede weitere Mahnung kostet je nach Forderung zwischen €5,09 und €58,14. Schulden Sie das Geld, deckelt die Zahlung von Kapital und Zinsen direkt nach dem ersten Inkassobrief die Gebühren bei Bearbeitung plus einer Mahnung, und Sie können die Gebühren danach immer noch bestreiten. Die Zahlung ist kein Anerkenntnis aller Gebühren, solange Sie das schriftlich festhalten.

Begann die Forderung mit einer geplatzten Lastschrift, haben Ihre Bank und der Gläubiger schon vor dem Inkassobüro eigene Spesen verrechnet. Unser Leitfaden zu Zahlungsmethoden rechnet diese erste Stufe für eine Rechnung über €30 durch.

Wie bestreiten Sie eine Inkassoforderung?

Bestreiten Sie eine Inkassoforderung in Österreich schriftlich und mit Nachweis des Versands. Prüfen Sie, ob das Inkassobüro echt ist, verlangen Sie den ursprünglichen Gläubiger und eine Aufschlüsselung, zahlen Sie jeden Teil, den Sie tatsächlich schulden, und weisen Sie den Rest begründet zurück. Ignorieren Sie nie einen gerichtlichen Zahlungsbefehl: Sie haben 4 Wochen für den Einspruch (§ 248 ZPO). Arbeiterkammer und Schuldenberatung prüfen Briefe kostenlos.

  1. 1

    Prüfen, ob das Inkassobüro existiert

    Inkasso ist in Österreich ein reglementiertes Gewerbe (§ 118 GewO 1994). Suchen Sie den Namen im öffentlichen Gewerberegister GISA. Kein Eintrag, keine Berechtigung.

  2. 2

    Die ursprüngliche Forderung feststellen

    Der Brief sollte den ursprünglichen Gläubiger, die Rechnung oder den Vertrag und das Fälligkeitsdatum nennen. Fehlt das, fragen Sie nach, bevor Sie irgendetwas zahlen.

  3. 3

    Eine Aufschlüsselung verlangen

    Kapital, Zinssatz und Zeitraum sowie jede Gebühr mit ihrer Rechtsgrundlage. Eine Pauschale mit dem Titel „Kosten“ lässt sich nicht mit den Höchstsätzen abgleichen.

  4. 4

    Zahlen, was Sie schulden, den Rest bestreiten

    Überweisen Sie Kapital und Zinsen mit dem Vermerk, dass die Zahlung kein Anerkenntnis der Gebühren ist. Direkt an den Gläubiger zu zahlen ist erlaubt; informieren Sie das Inkassobüro am selben Tag.

  5. 5

    Den Brief prüfen lassen

    Die Konsumentenberatung der Arbeiterkammer und die Stellen der Schuldenberatung prüfen Inkassobriefe kostenlos.

Der Unterschied zwischen Inkassobrief und Gerichtsbeschluss zählt mehr als jede Gebühr. Ein Inkassobüro kann weder Lohn pfänden noch Konten sperren noch einen Gerichtsvollzieher schicken. Das kann nur ein Gericht, und nur auf Grundlage eines Exekutionstitels: eines Urteils oder eines Zahlungsbefehls, gegen den Sie keinen Einspruch erhoben haben. Drohungen mit einer baldigen „Pfändung“ in einem Inkassobrief ohne gerichtliche Aktenzahl sind Druck, kein Verfahren.

Ist die Forderung selbst falsch, sagen Sie das klar und belassen Sie es dabei. Eine Forderung für ein Abo, das Sie nie abgeschlossen haben, eine Lieferung, die nie ankam, oder eine bereits bezahlte Rechnung ist inhaltlich bestritten. Will das Inkassobüro sie weiter betreiben, muss es vor Gericht gehen. Vereinbaren Sie keine Ratenzahlung über eine bestrittene Forderung: Nach der Verordnung ist jede Vereinbarung ein verrechenbarer Schritt, und die Zustimmung kann als Anerkenntnis der Schuld gelten.

Wie erkennen Sie einen gefälschten Inkassobrief?

Tabelle gefälschter Inkassoforderungen, vor denen Watchlist Internet in Österreich 2026 gewarnt hat, mit Datum, Inhalt der Forderung und Warnsignal
Datum der WarnungWas ankamDas Warnsignal
9. September 2026E-Mail der „Hansevia Forderungsmanagement“, die €4.400 für einen Gewinnspiel-Dienstleistungsvertrag fordertFirma in keinem Register, Adresse ein Einfamilienhaus, Antwort per WhatsApp
29. Juni 2026SMS-Mahnung im Namen des Autofahrerclubs ARBÖ, mit Verweis auf ein InkassobüroZahlungslink in einer Textnachricht
27. Mai 2026„Letzte außergerichtliche Aufforderung“ einer falschen Anwaltskanzlei wegen eines Gewinnspiel-AbosEin nie abgeschlossener Vertrag, per E-Mail oder Post

Quelle: Warnungen von Watchlist Internet, nach Datum verlinkt.

Ein gefälschter Inkassobrief in Österreich scheitert meist an einer von drei Prüfungen: Die Firma steht nicht im GISA oder einem Firmenbuch, die Forderung betrifft etwas, das Sie nie bestellt haben, oder sie verlangt Zahlung über einen ungewöhnlichen Kanal wie WhatsApp, einen paysafecard-Code oder ein ausländisches Konto. Watchlist Internet warnte am 9. September 2026 vor einer Forderung über €4.400 von einer Firma, die es nicht gibt. Nicht zahlen, nicht klicken, melden.

Auch echte Inkassobüros machen Fehler, also ist Prüfen besser als Raten. Suchen Sie das Inkassobüro im GISA, und rufen Sie den ursprünglichen Gläubiger unter einer Nummer an, die Sie selbst herausgesucht haben, nicht unter der im Brief. Eine echte Forderung existiert beim Gläubiger. Haben Sie eine gefälschte Forderung schon per Überweisung bezahlt, kontaktieren Sie sofort Ihre Bank, verlangen Sie einen Rückruf der Überweisung und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Das Geld kommt selten zurück, aber die Bank kann das Empfängerkonto sperren lassen.

Identitätsmissbrauch sieht aus wie eine echte Forderung

Manche echten Inkassobriefe folgen auf Bestellungen, die Kriminelle in Ihrem Namen aufgegeben haben. Watchlist Internet beschreibt das Muster: Waren, die Sie nie bestellt haben, dann Mahnungen, dann ein Inkassobüro. Bestreiten Sie sofort schriftlich, zeigen Sie den Identitätsmissbrauch bei der Polizei an und schicken Sie dem Gläubiger die Aktenzahl. Eine unwidersprochene Forderung kann trotzdem beim KSV1870 landen.

Wann verjährt eine Schuld in Österreich?

Tabelle der österreichischen Verjährungsfristen für Verbraucherschulden nach dem ABGB: 3 Jahre für Unternehmerrechnungen, Miete und Honorare, 3 Jahre für Zinsrückstände, 30 Jahre für andere Forderungen und Urteile
Art der ForderungVerjährt nachGesetz
Waren, Arbeiten oder Dienstleistungen eines Unternehmens (Handy, Onlineshop, Fitnessstudio, Energie)3 Jahre§ 1486 Z 1 ABGB
Miet- und Pachtzinse3 Jahre§ 1486 Z 4 ABGB
Honorare von Ärzten, Anwälten, Notaren, Privatlehrern3 Jahre§ 1486 Z 6 ABGB
Zinsrückstände und andere wiederkehrende Leistungen3 Jahre§ 1480 ABGB
Andere Forderungen, auch private Darlehen und Urteile30 Jahre§ 1478 ABGB

Mit dem ABGB im RIS abgeglichen, 12. Oktober 2026.

Die meisten Verbraucherschulden in Österreich verjähren nach 3 Jahren. Das betrifft Unternehmerrechnungen für Waren, Arbeiten und Dienstleistungen, Miete sowie Honorare von Ärzten und Anwälten (§ 1486 ABGB), dazu Zinsrückstände (§ 1480). Eine durch Urteil festgestellte Schuld verjährt nach 30 Jahren (§ 1478). Die Frist beginnt, sobald die Forderung erstmals eingefordert werden konnte, bei einer Rechnung also mit ihrer Fälligkeit.

Die Verjährung schützt Sie nur, wenn Sie sie nutzen. Das Gericht prüft sie nicht von Amts wegen; eine Partei muss sie einwenden (§ 1501 ABGB). Und die Frist beginnt neu, wenn Sie die Schuld vor Ablauf anerkennen, ausdrücklich oder schlüssig (§ 1497). Eine Teilzahlung, eine unterschriebene Ratenvereinbarung oder ein schriftliches „Ich zahle nächsten Monat“ können alle als Anerkenntnis gelten. Kommt ein Brief zu einer Rechnung, die seit mehr als drei Jahren fällig ist, antworten Sie, dass die Forderung verjährt ist, und zahlen Sie nichts.

Auch eine Klage unterbricht die Frist, sofern der Gläubiger das Verfahren gehörig fortsetzt (§ 1497). Deshalb bringen Inkassobüros manchmal kurz vor Ablauf der drei Jahre eine Mahnklage ein. Im darauf folgenden Zahlungsbefehl wenden Sie die Verjährung ein, innerhalb der 4-wöchigen Einspruchsfrist.

Scheint ein Inkassofall beim KSV1870 auf?

Das kann passieren. Der KSV1870 ist Österreichs größte Kreditauskunftei und zugleich ein Inkassobüro, und Zahlungsausfälle gelangen in seine Konsumentendatenbank. Die Auskunftei veröffentlicht keine verbindlichen Löschfristen; Sekundärquellen berichten übereinstimmend, dass ein Ausfall 5 Jahre nach Begleichung gespeichert bleibt, eine späte Zahlung verkürzt das also nicht. Prüfen Sie Ihre Daten kostenlos nach Art. 15 DSGVO. Jede Bank fragt sie vor einem Kredit ab (§ 7 VKrG).

Die kostenlose Selbstauskunft ist ein gesetzliches Recht, kein Produkt. Der KSV1870 verkauft auch ein kostenpflichtiges Auskunftspaket, und Konsumentenschützer haben kritisiert, wie prominent es neben der kostenlosen Anfrage platziert ist. Verlangen Sie ausdrücklich die kostenlose Auskunft nach Art. 15 DSGVO. Ist ein Eintrag falsch, etwa eine bestrittene Forderung oder eine Folge von Identitätsmissbrauch, verlangen Sie schriftlich die Berichtigung. Eine Ablehnung können Sie zur Datenschutzbehörde bringen, die nichts verrechnet.

Am 20. November 2026 steigt der Einsatz. Ab diesem Tag macht das Verbraucherkreditgesetz 2026 aus Buy-now-pay-later einen Verbraucherkredit mit verpflichtender Bonitätsprüfung, ein kleiner Klarna-Ausfall kann dann den nächsten Einkauf ebenso blockieren wie die nächste Wohnbaufinanzierung. Unser Leitfaden zu Konsumkrediten zeigt, wie der KSV1870-Score in Kreditentscheidungen einfließt.

Wie viel Ihres Einkommens ist vor Pfändung geschützt?

Tabelle des österreichischen Existenzminimums 2026 nach § 291a EO: Grundbetrag €1.308,39, erhöhter Betrag ohne gesonderte Sonderzahlungen und Zuschlag je unterhaltsberechtigter Person
Geschützter Betrag, 2026Pro MonatRegel
Allgemeiner Grundbetrag€1.308,39Gleich dem Ausgleichszulagen-Richtsatz für Alleinstehende (§ 291a Abs. 1 EO)
Erhöhter Betrag, ohne gesondertes 13. und 14. Gehaltrund €1.526Grundbetrag plus ein Sechstel (§ 291a Abs. 2 Z 1 EO)
Zuschlag je unterhaltsberechtigter Person, bis zu fünfrund €262Je 20 % des Grundbetrags (§ 291a Abs. 2 Z 2 EO)

Unsere Berechnung aus § 291a EO im RIS (12. Oktober 2026) und dem Ausgleichszulagen-Richtsatz 2026 von €1.308,39. Der genaue pfändbare Betrag für ein bestimmtes Einkommen ergibt sich aus den jährlichen Existenzminimum-Tabellen des Justizministeriums, die leicht anders runden.

Pfändet ein Gläubiger in Österreich Ihren Lohn, bleiben Ihnen 2026 mindestens €1.308,39 im Monat. Dieser Grundbetrag entspricht dem Ausgleichszulagen-Richtsatz für Alleinstehende (§ 291a Abs. 1 EO). Er steigt um ein Sechstel auf rund €1.526, wenn Sie kein gesondertes 13. und 14. Gehalt erhalten, und um 20 % für jede Person, der Sie Unterhalt leisten, bis zu fünf. Ein Teil des Einkommens über diesen Beträgen bleibt ebenfalls geschützt.

Eine Pfändung braucht zuerst einen gerichtlichen Titel. Nach einem Urteil oder einem unbekämpften Zahlungsbefehl beantragt der Gläubiger die Exekution, und das Gericht weist Ihren Arbeitgeber als Drittschuldner an, den pfändbaren Teil direkt an den Gläubiger zu zahlen. Ihr Arbeitgeber berechnet diesen Teil aus den amtlichen Tabellen, der Schutz wirkt im Normalfall also ohne Antrag. Prüfen Sie den ersten gepfändeten Lohnzettel trotzdem gegen die Tabellen: Der Unterhaltszuschlag gilt nur, wenn der Arbeitgeber von Ihren Unterhaltspflichten weiß.

Eine Kontopfändung funktioniert anders als eine Lohnpfändung, und die Regeln für geschützte Guthaben hängen davon ab, woher das Geld stammt. Ist Ihr Konto gesperrt, kontaktieren Sie noch am selben Tag die Schuldenberatung oder das Gericht, das die Pfändung angeordnet hat, denn der Schutz auf einem Konto muss meist geltend gemacht werden, statt automatisch zu greifen. Wir konnten das aktuelle Verfahren nicht am Primärtext bestätigen; verstehen Sie diesen Absatz daher als Anstoß nachzufragen, nicht als Regel.

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Account, card, bank: the Austrian banking essentials.

Wie funktionieren Schuldenberatung und Privatkonkurs nach Juli 2026?

Tabelle der Stufen des österreichischen Schuldenregulierungsverfahrens 2026: kostenlose Schuldenberatung, Zahlungsplan und das 5-jährige Abschöpfungsverfahren, nachdem der 3-jährige Tilgungsplan für Verbraucher am 16. Juli 2026 ausgelaufen ist
StufeWas passiertDauer
SchuldenberatungVollständige Offenlegung von Schulden, Einkommen und Ausgaben; ein außergerichtliches Angebot an die Gläubiger; Vorbereitung des Antrags bei GerichtKostenlos; Ersttermine können Wochen dauern
Antrag beim BezirksgerichtVon Ihnen unterschriebenes Vermögensverzeichnis und ein Zahlungsplanvorschlag (§ 183 IO)Gerichtskosten können gestundet werden
ZahlungsplanDie Gläubiger stimmen über eine Quote ab, die Sie aus Ihrem Einkommen zahlen könnenBis zur vereinbarten Laufzeit
Abschöpfungsverfahren, wenn der Plan scheitertDas pfändbare Einkommen geht an einen gerichtlich bestellten Treuhänder; danach Restschuldbefreiung5 Jahre (§ 199 Abs. 2 IO)
TilgungsplanDer 2021 eingeführte schnellere WegFür Verbraucher ausgelaufen mit Ablauf des 16. Juli 2026 (§ 283 Abs. 9 IO)

Mit der Insolvenzordnung im RIS abgeglichen (§§ 183, 199, 283), 12. Oktober 2026. Anträge auf einen Tilgungsplan, die vor dem 17. Juli 2026 bei Gericht eingelangt sind, folgen weiter den alten Regeln.

Können Sie Ihre Schulden in Österreich nicht zahlen, beginnen Sie bei einer staatlich anerkannten Schuldenberatung: kostenlos, vertraulich und in jedem Bundesland. 2025 betreuten diese Stellen 61.221 Menschen. Lehnen die Gläubiger eine außergerichtliche Einigung ab, folgt der Privatkonkurs. Seit dem 17. Juli 2026 haben Verbraucher den 3-jährigen Tilgungsplan nicht mehr (§ 283 Abs. 9 IO). Es bleiben eine Gläubigerabstimmung über einen Zahlungsplan oder das 5-jährige Abschöpfungsverfahren.

Die Änderung trifft alle, die mit dem schnelleren Weg geplant haben. Nach der Reform von 2021 konnten Verbraucher mit einem Tilgungsplan nach 3 Jahren entschuldet werden. Diese Bestimmung war für Verbraucher befristet und lief mit Ablauf des 16. Juli 2026 aus. Ein Abschöpfungsverfahren dauert jetzt fünf Jahre, in denen der pfändbare Teil Ihres Einkommens an einen Treuhänder geht (§ 199 Abs. 2 IO). Der Zahlungsplan, bei dem die Gläubiger eine Quote annehmen, bleibt unverändert und ist oft der schnellere Ausweg.

Die Zahlen zeigen, wie häufig das ist. Laut schuldenberatung.at verzeichneten die Stellen 2025 21.599 Erstkontakte, und seit 1995 wurden in Österreich 205.031 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Die durchschnittliche Verschuldung ihrer Klienten lag bei €63.354 für Männer und €46.284 für Frauen. Meist ist das nicht ein großer Kredit, sondern viele kleine Forderungen, jede mit eigenen Inkassogebühren.

Bevor Sie eine Ratenvereinbarung mit einem Inkassobüro unterschreiben

Haben Sie mehr als einen Gläubiger, sprechen Sie mit der Schuldenberatung, bevor Sie mit einem einzelnen Inkassobüro einen Zahlungsplan vereinbaren. Jede Ratenvereinbarung ist nach der Inkasso-Verordnung ein verrechenbarer Schritt, und wer einen Gläubiger zuerst bedient, hat später womöglich zu wenig für die anderen, wenn eine Gesamtlösung verhandelt wird.

Welche Gesetze und Behörden stehen hinter diesen Regeln?

Vier Rechtsquellen entscheiden fast jeden Inkassofall in Österreich: das ABGB dafür, was ein Gläubiger verlangen darf und wann es verjährt, die Inkasso-Höchstsätze-Verordnung für die Obergrenzen, die Exekutionsordnung dafür, was geschützt ist, und die Insolvenzordnung für den Ausweg. Der Block unten nennt Gesetz, Behörde, kostenloses Werkzeug und das konkrete Recht.

Häufig gestellte Fragen

Müssen Sie jede Gebühr in einem österreichischen Inkassobrief zahlen?

Nein. Sie schulden das Kapital, Zinsen von 4 % pro Jahr und nur Einbringungskosten, die notwendig und angemessen waren (§ 1333 Abs. 2 ABGB). Die Inkasso-Verordnung legt Höchstsätze fest, keine Ansprüche: Bei einer Forderung unter €73 darf die Bearbeitungsgebühr €20,35 nicht übersteigen. Zahlen Sie, was Sie schulden, verlangen Sie schriftlich eine Aufschlüsselung und bestreiten Sie den Rest.

Darf ein Inkassobüro Gebühren verlangen, wenn Sie den Gläubiger schon bezahlt haben?

Nicht für Arbeit nach Ihrer Zahlung. Haben Sie beim ursprünglichen Gläubiger vor der Übergabe bezahlt, war nichts mehr einzutreiben und keine Einbringungskosten waren notwendig. Schicken Sie dem Inkassobüro den Zahlungsnachweis mit Datum. Haben Sie nach der Übergabe gezahlt, kann der Gläubiger die bis dahin entstandenen Kosten innerhalb der Höchstsätze noch verlangen.

Wann verjähren Schulden in Österreich?

Die meisten Verbraucherrechnungen verjähren nach 3 Jahren: Waren, Arbeiten oder Dienstleistungen eines Unternehmens, Miete und Honorare von Ärzten und Anwälten (§ 1486 ABGB). Zinsrückstände verjähren ebenfalls nach 3 Jahren (§ 1480). Andere Forderungen und Urteile verjähren nach 30 Jahren (§ 1478). Sie müssen die Verjährung selbst einwenden (§ 1501), und ein Anerkenntnis der Schuld lässt die Frist neu beginnen (§ 1497).

Wie lange bleibt ein Inkassofall beim KSV1870 gespeichert?

Der KSV1870 veröffentlicht keine verbindlichen Löschfristen. Sekundärquellen berichten übereinstimmend von 5 Jahren nach Begleichung für einen Zahlungsausfall (vom KSV1870 nicht bestätigt). Prüfen Sie die gespeicherten Daten mit einer kostenlosen Auskunft nach Art. 15 DSGVO, und bringen Sie eine verweigerte Berichtigung zur Datenschutzbehörde, das kostet nichts.

Was passiert, wenn Sie einen Zahlungsbefehl des Gerichts ignorieren?

Er wird vollstreckbar. Ein Zahlungsbefehl ist eine gerichtliche Zahlungsaufforderung ohne Verhandlung. Sie haben ab Zustellung 4 Wochen Zeit für einen Einspruch (§ 248 ZPO), und die Frist ist nicht verlängerbar. Tun Sie nichts, kann der Gläubiger die Exekution beantragen. Ein Inkassobrief ist kein Gerichtsbeschluss, ein Zahlungsbefehl schon.

Wie viel Ihres Gehalts ist 2026 vor Pfändung geschützt?

Der allgemeine Grundbetrag entspricht dem Ausgleichszulagen-Richtsatz für Alleinstehende, €1.308,39 im Monat im Jahr 2026 (§ 291a Abs. 1 EO). Er steigt um ein Sechstel auf rund €1.526 ohne gesonderte Sonderzahlungen, und um 20 %, rund €262, je unterhaltsberechtigter Person, bis zu fünf. Ein Teil des Einkommens darüber bleibt Ihnen ebenfalls.

Wie lange dauert ein Privatkonkurs in Österreich nach Juli 2026?

Fünf Jahre, wenn die Gläubiger Ihren Zahlungsplan ablehnen. Der 3-jährige Tilgungsplan ist für Verbraucher mit Ablauf des 16. Juli 2026 ausgelaufen (§ 283 Abs. 9 IO), außer der Antrag wurde vor dem 17. Juli 2026 eingebracht. Es bleiben der von den Gläubigern abgestimmte Zahlungsplan und, wenn dieser scheitert, das 5-jährige Abschöpfungsverfahren (§ 199 Abs. 2 IO).

Ist die Schuldenberatung in Österreich wirklich kostenlos?

Ja. Die staatlich anerkannten Schuldenberatungen sind kostenlos, vertraulich und freiwillig, mit Stellen in jedem Bundesland. Sie verleihen kein Geld. 2025 betreuten sie 61.221 Menschen und verzeichneten 21.599 Erstkontakte. Meiden Sie kostenpflichtige Entschuldungsangebote mit Vorauszahlung: Die anerkannten Stellen bereiten sogar einen Privatkonkurs ohne Kosten vor.

Quellen: konsolidierte Fassungen im RIS, gelesen am 12. Oktober 2026: ABGB §§ 1000, 1333, 1478, 1480, 1486, 1497, 1501; Inkasso-Höchstsätze-Verordnung BGBl. Nr. 141/1996 idF BGBl. II Nr. 103/2005, §§ 2 bis 4; EO § 291a; IO §§ 183, 199, 283; ZPO § 248; GewO 1994 § 118. Antrag der Vollversammlung der Arbeiterkammer Wien, 28. Mai 2026; Zahlen von schuldenberatung.at für 2025; Warnungen von Watchlist Internet vom 27. Mai, 29. Juni und 9. September 2026. Diese Seite ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

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